Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)  

Dr. Susanne Schunder-Tatzber

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist eng mit der Kulturgeschichte Chinas verknüpft. Bereits in der "Frühlings- und Herbst"-Periode (710 - 475 v. Chr.) und in der "Periode der streitenden Reiche" (475 - 221 v. Chr.) existierten schriftliche Aufzeichnungen zu medizinischen Themen, von denen das berühmteste das sogenannte "Nei-Jing" ist, welches bis heute erhalten ist. In diesen alten klassischen Werken der TCM sind die wichtigsten Erfahrungen und Regeln festgelegt, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben. In China war diese traditionelle Form der Medizin die einzige medizinische Versorgung, bis sie während des Guomindang Regimes (1912 - 1949) verboten wurde und durch westliche Medizin ersetzt werden sollte. In der VR China erlebte sie jedoch nach der Machtübernahme der Kommunisten eine neue Blütezeit, da sie wegen der mangelnden finanzielle Ressourcen auch die einzige Möglichkeit darstellte für die große Bevölkerung eine geeignete medizinische Versorgung zu etablieren. Von den in den 50er Jahren dieses Jahrhundert gegründeten Hochschulen für TCM gingen auch neue Impulse für die Forschung und die weltweite Verbreitung aus. Die TCM-Kenntnisse des Westens waren anfänglich auf die Akupunktur beschränkt und erst in den letzten Jahren haben immer mehr Ärzte Interesse für andere therapeutische und diagnostische Gebiete der TCM gezeigt und diese erlernt.

Das weitaus wichtigste Teilgebiet der TCM ist die Kräuterheilkunde. Es wird eine Vielzahl von Drogen vor allem in Form von Dekokten zur äußeren und inneren Anwendung eingesetzt, die neben Pflanzen auch Heilmittel tierischen und mineralischen Ursprung enthalten.

Zum medizinischen Repertoire gehören weiteres Massagen (Tuina), Atemtechniken (Qi Gong), Gymnastik- und Bewegungsübungen (Tai Ji quan). Diätempfehlungen und Ernährungsanleitungen unterstützen diese Methoden.

Der im Laufe von Jahrtausenden angewachsene Wissens- und Erfahrungsschatz der TCM fordert vom Lernenden sehr intensive Beschäftigung. Eine weitere Schwierigkeit ist die semantische Annäherung an Begriffe, die mit einfacher Übersetzung nicht befriedigend gelöst werden kann, weil in der westlichen und chinesischen Tradition unterschiedliche Begriffe, die nur teilweise überlappend sind, entwickelt wurden.

Im Gegensatz zur symptom-orientierten Medizin im Westen ist das typische Merkmal der chinesischen Medizin eine ganzheitliche Betrachtungsweise, indem der Organismus als organische Einheit betrachtet und auch die Beziehungen des Menschen zur Natur als Einheit angenommen wird.

Durch diese ganzheitliche Betrachtungsweise wird großer Wert auf die Prävention gelegt, indem versucht wird, energetische Ungleichgewichte zu erkennen und so die Ausbildung von Krankheiten zu verhindern. Bei der Behandlung wird nicht nach einem besonders wirksamen Mittel gegen etwas gesucht, sondern durch eine Kombination von Arzneien und anderen therapeutischen Maßnahmen soll der Körper wieder in den Zustand der Harmonie versetzt und damit die Heilung erzielt werden.

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